Kinder- und Jugendarbeit stärken statt kürzen!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Marcus König,
sehr geehrter Herr Kämmerer Thorsten Brehm,
sehr geehrte Mitglieder der demokratischen Fraktionen im Stadtrat,

wie viele andere zivilgesellschaftlich, sozial und kulturell engagierte Nürn-berger*innen besorgt die aktuelle Debatte rund um den kommenden Haushalt 2027 auch uns Aktive der Kinder- und Jugendarbeit in unserer Stadt. Die aktuelle Haushaltssperre und die Sparvorhaben der Stadt ver-unsichern uns insbesondere deswegen, weil für uns völlig unklar ist, wie diese konkret umgesetzt werden sollen – obwohl der Haushalt 2027 schon im November verabschiedet werden soll.

Wir sagen klar: In den aktuellen Zeiten voller Krisen und Konflikte sind die steigenden Kosten und Fallzahlen bei Hilfen zur Erziehung, bei Schulbe-gleitungen und Inobhutnahmen auch Ausdruck der immer schwierigeren Lage und steigenden Belastungen für Kinder und Jugendliche sowie de-ren Familien in unserer Stadt. Umso wichtiger sind unsere Angebote der offenen und verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, die dabei helfen, das Leben von Kindern und Jugendlichen abzusichern und zu bereichern:

Die Jugendarbeit wirkt mit ihren Angeboten präventiv, oft bevor es über-haupt zu Notlagen von Kindern und Jugendlichen kommt, die das Eingrei-fen der Jugendhilfe notwendig werden lassen würden. Sie ist dabei gleichermaßen für alle Kinder und Jugendliche in unserer Stadt da. Sie unterstützt familiäre Strukturen durch die Schaffung stabiler Netzwerke, bietet verschiedenste Bildungsangebote, betreibt aktive Demokratiebil-dung, ermöglicht Sport und Bewegung, gibt Kindern und Jugendlichen ei-nen eigenen, zusätzlichen Ort und schafft damit Entlastung für Familien gerade auch in angespannten Situationen und herausfordernden Zeiten um nur einige wenige Wirkweisen aufzuzählen.
Kürzungen wie unzureichende Zuschüsse im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit sind deshalb immer politisch, menschlich und auch (volks)wirtschaftlich nicht zielführend.

Würde das System der haupt- und ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit wegbrechen, stiegen nicht nur die Ausgaben der Jugendhilfe immer weiter, auch die entstehenden Lü-cken würden dankbar von jenen Kräften gefüllt werden, die keinerlei Interesse an einer plu-ralen, diversen, inklusiven und demokratischen Gesellschaft haben.

Kürzungen, aber auch verwehrte Zuschusserhöhungen zur Abdeckung der allgemeinen Kostensteigerungen und Inflation, ziehen zwangsweise Einschnitte in Umfang und Qualität unserer Angebote nach sich. Diese werden zwar auch jetzt schon von der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit zum größten Teil ehrenamtlich auf die Beine gestellt – wir brau-chen aber Räume, in denen diese Angebote stattfinden können, und die Unterstützung durch kompetente Hauptamtliche, die qualifizieren und anleiten, um den offensichtlich stei-genden Bedarfen von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden und sie im Ergebnis in herausfordernden Lebenslagen professionell begleiten zu können.

Wir werden nicht müde zu betonen: Gerade die Arbeit der Verbände ist bei weitem kein „freiwilliges Angebot“, kein „nice to have“, keine „Ergänzung“, die in angespannten Finanz-lagen auch mal weniger unterstützt werden könne. Das vom Deutschen Bundesjugendring in Auftrag gegebene Rechtsgutachten „Jugendverbände sind zu fördern!“ stellt klar, dass verbandliche Kinder- und Jugendarbeit keine beliebig kürzbare freiwillige kommunale Leis-tung ist, sondern eine gesetzlich verankerte Aufgabe, die insbesondere nach §§ 11 und 12 SGB VIII eine Förderverpflichtung begründet.

Deshalb würden durch Einsparungen in der Kinder- und Jugendarbeit nicht nur wichtige Freiräume für junge Menschen, ihre Möglichkeiten für Mitbestimmung und zur gesell-schaftlichen Teilhabe gefährdet, sondern schlussendlich auch die Erfüllung des gesetzli-chen Auftrags der Kinder- und Jugendhilfe und am Ende dadurch auch die Einstellung zur Demokratie bei jungen Menschen.

Die Wertschätzung, die unseren Verbänden und uns zuletzt beim Empfang zu „80 Jahre KJR“ entgegengebracht wurde, hat uns gefreut. Diese Anerkennung muss sich auch in den Haushaltsentscheidungen widerspiegeln. Wir fordern Stadtrat und Stadtverwaltung deshalb auf, die Finanzierung der offenen und verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit zu sichern, Kostensteigerungen angemessen zu berücksichtigen und die Träger frühzeitig und transparent in die weiteren Beratungen einzubeziehen.

Kinder- und Jugendarbeit hat einen eigenständigen Wert: Sie eröffnet jungen Menschen Freiräume, in denen sie ihre Interessen entdecken, Gemeinschaft erleben und selbstbe-stimmt aktiv werden können. Hier gestalten sie Angebote selbst, übernehmen Verantwor-tung und erleben, dass ihre Stimme zählt. Als Orte außerschulischer Bildung und gelebter Demokratie stärken Jugendverbände und Einrichtungen damit die persönliche Entwick-lung, gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung junger Menschen.

Der Kreisjugendring Nürnberg-Stadt im Namen der 64 bei ihm organisierten Kinder- und Jugendverbände
Für Rückfragen stehen wir ihnen gerne zur Verfügung: vorstand@kjr-nuernberg.de