Die Evangelischen Jugenden Augsburg, München und Nürnberg nehmen gemeinsam Stellung zur Beendigung der Förderung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer:

Laut offiziellen Zahlen sind im Jahr 2024 3.530 Menschen bei der Überquerung des Mittelmeers gestorben oder werden bis heute vermisst. Um dieser humanitären Katastrophe entgegenzuwirken, unterstützte die Bundesregierung von 2022 bis Juni 2025 die zivile Seenotrettung mit jährlich zwei Millionen Euro. Unter anderem durch diese Förderung, konnten seitdem mehr als 175.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden.

Trotz dieser Erfolge und obwohl im laufenden Haushaltsjahr bereits 900.000 Euro an Zuschüssen bewilligt worden waren, beendeten CDU und SPD im Juni 2025 die Förderung. Diese Entscheidung kritisieren wir entschieden. Die Kürzungen des Auswärtigen Amts unter Staatsminister Johann Wadephul verschlechtern die Lage im Mittelmeer und führen absehbar zu weiteren Todesopfern.

Unsere Position

Als Evangelische Jugenden Augsburg, München und Nürnberg sind wir alle Bündnispartnerinnen von United4Rescue – unter anderem gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej)[1] und der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb)[2]. Als Teil dieses Bündnisses bekennen wir uns klar zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung und zu den vier zentralen Forderungen von United4Rescue:

  1. Pflicht zur Seenotrettung
  2. Keine Kriminalisierung der Helfenden
  3. Faire Asylverfahren
  4. Sichere Häfen für Gerettete

Schon der Beschluss der ejb im Jahr 2019[3], legt unsere Überzeugung fest: Jeder Mensch ist wertvoll und schützenswert. Die bewusste Entscheidung, lebensrettende Maßnahmen nicht mehr zu fördern, widerspricht unserem christlichen Menschenbild und dem Gebot der Nächstenliebe. Nächstenliebe endet nicht an den Grenzen Europas – sie verpflichtet uns dazu, auch den Menschen auf der anderen Seite des Mittelmeers beizustehen. Angesichts der zunehmend gefährlichen Lage im Mittelmeer, insbesondere durch das Vorgehen der libyschen Küstenwache, ist die Streichung der Mittel ein fatales Signal: Sie erschwert die Rettung von Menschenleben und steht im Widerspruch zu den humanitären Werten, die unser Land und unsere Kirche vertreten.

Unser Appell

Wir appellieren eindringlich an die Bundesregierung, die Kürzung der Mittel zu überdenken und die finanzielle Unterstützung der zivilen Seenotrettung wieder aufzunehmen. Jede gerettete Person ist ein Sieg der Menschlichkeit – und jede unterlassene Hilfeleistung ein Versagen unserer gemeinsamen Verantwortung.

Denn:

Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt

Beschluss des Vorstands der Evangelischen Jugend Nürnberg am 24. März 2026.
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[1] Bekenntnis zur Seenotrettung – Beschluss 4/2019 der 130. aej-Mitgliederversammlung
[2] ejb wird Bündnispartnerin der Vereinigung united4rescue – Beschluss LJKa-VV/19-IV 2019 der Landesjugendkammer
[3] Antrag 5: Seenotrettung – Beschluss der Vollversammlung des Landesjugendkonvent der ejb 2019