Wohnraum für auszugsberechtigte Flüchtlinge – ejn, BDKJ und AWO suchen gemeinsam

IMG_1725Nürnberg, 18. September 2014. Rund 200 Flüchtlinge dürften in Nürnberg aus den proppenvollen Sammelunterkünften ausziehen und eine eigene Wohnung anmieten. Doch die meisten müssen bleiben, weil sie trotz aller Anstrengungen nichts finden. Die Evangelische Jugend Nürnberg will jetzt das mov’in Projekt der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Nürnberg bei der Suche nach Wohnraum für auszugsberechtigte Flüchtlinge unterstützen. Auch der katholische Jugendverband (BDKJ) Nürnberg beteiligt sich.

Auszugsberechtigung aus der Sammelunterkunft – das klingt gut. Nicht nur in den zentralen Aufnahmelagern, sondern auch in den Sammelunterkünften, der zweiten Station aller Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, herrscht drangvolle Enge. Viele Flüchtlinge leben dort jahrelang ohne echte Möglichkeit, zu arbeiten und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Ein solches Leben ist für niemanden gut“, sagt Dekanatsjugendpfarrer Thomas Kaffenberger. „Die erzwungene, oft jahrelange Tatenlosigkeit kann Menschen innerlich zerbrechen. Der Auszug aus den Sammelunterkünften ist ein erster Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Mit unserem Wohnraumprojekt möchten wir dazu beitragen, dass diese Möglichkeit nicht weiterhin für viele eine rein theoretische bleibt.“

Seit April 2013 sucht der AWO Kreisverband Nürnberg mit seinem Projekt „mov’in – WohnRaum für Flüchtlinge“ nach Wohnungen für Auszugsberechtigte. Leider konnten bis dato nicht genügend Menschen gefunden werden, die bereit waren, an Flüchtlinge zu vermieten. Und das, obwohl das Vermieten an auszugsberechtigte Flüchtlinge kaum Risiken birgt: Miete und Nebenkosten werden sicher bezahlt, die Flüchtlinge werden auch in ihrem „neuen Leben“ seitens der AWO begleitet, die auch bei etwaigen Missverständnissen oder Problemen zur Verfügung steht. „Dass sich die Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge so schwierig gestaltet, hat sicher mit der aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt zu tun, könnte aber auch mit noch immer weit verbreiteten Ängsten und Ressentiments zusammenhängen“, meint Benjamin Deinert, der das mov’in-Projekt zusammen mit seiner Kollegin Irma Kevorkian-Bauer leitet.

Die ejn und ihr katholisches Pendant BDKJ wollen nun ihrerseits versuchen, Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. In einem Aufruf an alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, an alle Kirchengemeinden und an die Redaktionen der Gemeindeblätter bitten die kirchlichen Jugendverbände um Mithilfe. „Das kann einfach Mundpropaganda oder Weiterleitung und Publikation unseres Aufrufs sein“, erläutert Thomas Kaffenberger. „Am Ende wollen wir natürlich diejenigen erreichen, die Immobilien besitzen und die eine oder andere Wohnung auch mal an Flüchtlinge vermieten könnten.“

Derzeit wird in den Jugendverbänden überlegt, was über den Aufruf hinaus noch unternommen werden könnte, um die Vermietung an Flüchtlinge zu bewerben.

Wer eine Wohnung an auszugsberechtigte Flüchtlinge vermieten möchte, schreibt einfach eine Mail mit seinen Kontaktdaten an wohnraumprojekt@ejn.de. Die Daten werden ausschließlich zum Zweck der Wohnungsvermittlung an das mov’in-Projekt der AWO weitergeleitet.