Die gesellschaftspolitische Jugendbildung

Jugendliche sind politisch, sie haben Meinungen, sie können diskutieren und sie wollen etwas vom Leben. Gerade der Zielgruppe der „bildungsbenachteiligten“ Jugendlichen fehlt aber meist das geeignete Sprachrohr oder die nötige Unterstützung, die sie brauchen, um das alles hörbar nach Außen zu tragen und zur Disposition zu stellen. Die gesellschaftspolitische Jugendbildung der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern (EJSA), angegliedert an die Evangelische Jugend Nürnberg, nutzt hier seit Jahren erprobte Formate und probiert gleichzeitig neue Wege aus, um ihre gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Die beiden Jugendbildungsreferentinnen (jeweils 50%) sind Spezialistinnen für die Bereiche Arbeit gegen Rechts, Demokratiebildung, Persönlichkeitsstärkung und Berufsorientierung bzw. Lebensplanung.
Die Arbeit richtet sich in erster Linie an junge Menschen, die zum Ausgleich sozialer und ökonomischer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. So arbeiten die Jugendbildungsreferentinnen derzeit überwiegend mit Besucher*innen aus den offenen Einrichtungen der EJN, Jugendlichen aus der Jugendhilfe und mit Mittelschüler*innen. Aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen rücken auch junge Geflüchtete immer mehr in den Fokus der Arbeit.

Formate

Wenn im Tonstudio ein Song geschrieben und aufgenommen, eine fremde Stadt besucht oder ein Mädchenchor ins Leben gerufen wird, stehen dabei scheinbar der Spaß, die Gruppe und das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund. So ist es zunächst tatsächlich auch, denn dies alles sind wichtige und unverzichtbare Elemente, um einen Anreiz und vor allem eine Atmosphäre zu schaffen, die (ganz nebenbei) Lust auf einen thematischen Austausch, auf ein Miteinander-Denken und schließlich auf das politische Handeln machen. Das gilt für die meisten Menschen. Doch insbesondere für die EJSA-Zielgruppe der sogenannten „bildungsbenachteiligten“ Jugendlichen erweisen sich dementsprechend angelegte Angebote als sehr erfolgreich. Die Zielgruppe verbindet ein niedriges, formales Bildungsniveau, wenig Abstraktionsvermögen, mangelnde Selbstwirksamkeitserfahrungen, vielfältige Ausgrenzungserfahrungen und eine Distanz zur etablierten Politik. Diese Bedingungen erfordern einmal mehr besondere Formate und Zugänge, welche sich vor allem durch ihre Niedrigschwelligkeit, dem hohen Grad an Partizipation und Subjektorientierung sowie Beziehungsarbeit, Prozessoffenheit und Flexibilität auszeichnen. Die Angebote der GPJ machen den jungen Menschen Mut, durch positive Rückmeldung und ehrliches Interesse an ihrer Person und ihren Themen und durch das Erleben von Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit, sich mit einem gesellschaftspolitischen Thema auseinanderzusetzen und sich politisch einzumischen.

Beispiel Tonstudio-Arbeit

Beispielsweise werden Jugendliche über aufsuchende Jugendsozialarbeit für Workshops in einem Tonstudio begeistert. In Zusammenarbeit mit Musikern und DJs kreieren die jungen Menschen ihre eigenen Texte mit sehr politischen Inhalten, die sie im Tonstudio aufnehmen und anschließend präsentieren.
Die Tonstudio-Workshops stellen somit ein Format dar, das die Musik als Sprachrohr für die Anliegen und Bedürfnisse von Jugendlichen nutzt, die oft nicht gehört werden.

Tonstudio-Workshop mit jungen Geflüchteten aus Afghanistan

Netzwerk-Arbeit

Auch die Netzwerksarbeit spielt in Nürnberg eine große Rolle. Dazu gehört die Mitwirkung in lokalen, landes- sowie bundesweiten Zusammenhängen. Beispielsweise sei heraus gegriffen, die jährliche Dialogveranstaltung in Zusammenarbeit mit den muslimischen Gemeinden in Nürnberg, der Runde Tisch gegen Rechtsextremismus der Evang.- luth. Landeskirche in Bayern sowie die Mitarbeit im Redaktionsteam der bundesweiten Zeitschrift für Jugend- und Bildungsarbeit „baugerüst“. Zudem nehmen die Jugendbildungsreferentinnen regelmäßig an den Konferenzen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung statt.

Zukunft gestalten

Immer wieder kreisen die Gespräche und thematischen Auseinandersetzungen um die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich leben? Auch Jugendliche erleben, dass die Welt, das Land und ihr Stadtteil sich verändern. Sie haben Angst vor Verdrängung, vor Veränderung und vor militärischen Auseinandersetzungen. Gleichzeitig sind sie diejenigen, die groß träumen, die naiv nachfragen, die die neuen Medien für ihre politische Teilhabe nutzen und wo Fortschritt passiert und die Zukunftsmusik spielt. Die GPJ gibt den Jugendlichen Raum, Zeit, Gelegenheit und Begegnungsmöglichkeiten, um ihre Meinungen und Ideen zu formulieren und zu reflektieren und sie gesellschaftlich und politisch einzubringen und somit unsere aller Zukunft demokratisch und friedlich mitzugestalten.

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